Das Abenteuer beginnt

Einführung

"Unterwegs" dieser Titel war schon vergeben für die deutsche Übersetzung des Romans von Jack Kerouac "on the road".
Mein Arbeitgeber beendete mein Arbeitsverhältnis, ich war also arbeitslos und hatte außerhalb meiner Bewerbungsphasen Zeit um unterwegs zu sein.
Einige der Abenteuer, die ich unterwegs erlebte, möchte ich hier niederschreiben und mit Bildern versehen.

Das Wetter spielte natürlich eine Rolle, unterwegs wollte ich nur dann sein, wenn es schön war, aber es gab auch genug Abenteuer, die man bei schlechtem Wetter erleben konnte.

Baumwipfelpfad 07.04.2017

"Die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) bieten ihren Kunden an ausgewählten Wochenenden im März und April das „Shopping-Ticket“ als zeitlich begrenztes Sonderangebot an. Bei dem Shopping-Ticket handelt es sich um eine Tageskarte, die netzweit gültig ist und insbesondere für die Fahrt zum Einkaufen in der Stadt Karlsruhe genutzt werden soll."
Baumwipfelpfad Baumwipfelpfad Das Shopping-Ticket kostete 3 EUR, ein unschlagbarer Preis. Wie könnte man das nutzen? Da es netzweit gültig war, konnte man es doch auch für eine Fahrt in weiter entferntere Orte für einen Ausflug nutzen. Das Wetter war gut, also nutzte ich das Ticket für eine Fahrt zum Baumwipfelpfad in Bad Wildbad. Ich war schon lange nicht mehr in Bad Wildbad, mit der Stadtbahn bin ich noch nie dorthin gefahren.
Ich fragte meinen Schwager, ob er nicht Lust hätte mich zu begleiten und so machten er, seine Lebengefährtin und ich uns auf den Weg.
Der Durchgangsverkehr wurde in Bad Wildbad durch einen Tunnel unter der Stadt hindurch geführt, so dass die Innenstadt verkehrsberuhigt war und man gemütlich an der Enz und den parallel verlaufenden Straßen spazieren gehen konnte. Nur die Stadtbahn nutzte den Weg entlang der Enz, man konnte seit ein paar Jahren bis zum Kurpark fahren, das erhöhte die Attraktivität der Bahn deutlich, der Bahnhof lag etwas vor der Stadt, dort endete früher die Bahn.
Baumwipfelpfad Baumwipfelpfad Für den Baumwipfelpfad gab es ein Kombiticket das die Fahrt mit der Sommerbergbahn und den Eintritt einschloss. Die Sommerbergbahn war schon über 100 Jahre alt, die Schienenneigung betrug zwischen 20 und 29 Grad. Die neuen Wagen hatten ein Glasdach, so dass man während der Fahrt einen schönen Ausblick auf die Stadt hatte. Bekannt war der Sommerberg hauptsächlich bei Downhill-Mountainbikern, der Bikepark gehörte zu den größten in Deutschland.
Unser Ziel war der Baumwipfelpfad, den es seit einigen Jahren auf dem Sommerberg gab. Es war schon ein komisches Gefühl sich auf einem langsam ansteigenden Weg immer weiter vom Waldboden zu entfernen. An einigen Stationen konnte man sich über Themen rund um den Wald und die Holzwirtschaft, aber auch über die Tiere im Wald, informieren. Am Ende ging es 40 Meter in einer becherförmigen Spirale nach oben und, wer Lust hatte, konnte mit einer Rutsche wieder hinunter rutschen. Von oben hatte man einen phantastischen Rundumblick, man sagte, bei klarer Sicht könnte man bis zu den Alpen sehen (was ich für ein Gerücht halte, wir hatten zwar klares Wetter, konnten aber die Alpen nicht sehen.)

Nach diesem ersten Abenteuer fuhren wir wieder mit der Sommerbergbahn hinunter ins Tal. Wir machten einen Abstecher in das "Haus des Gastes", dem ehemaligen König Karls Bad, das für Veranstaltungen genutzt wurde.
Sommerbergbahn König Karls Bad Kurz danach erreichten wir den Kurpark. In einem Cafe stärkten wir uns mit einem Stück Kuchen und einer Tasse Kaffee bevor wir mit der Stadtbahn wieder in Richtung Pforzheim fuhren.
Jedes Jahr im Juli findet in Bad Wildbad das Rossini-Festival statt mit verschiedenen Konzerten und Opernaufführungen unter anderem auch im Turm des Baumwipfelpfads.
Auch das Palais Thermal ist sicherlich ein Besuch wert.

So kann man noch weitere Abenteuer in Bad Wildbad erleben, den Kurpark hatten wir heute nur zu einem kleinen Teil besucht

Karlsruhes Westen 24.04.2017

Die BNN veröffentlichten ab und zu Wander- und Radtourentipps für Touren im Schwarzwald, der Rheinebene und der Pfalz. In der letzten Woche wurde eine familienfreundliche Radtour durch den Karlsruher Westen vorgestellt.
KA-Westen KA-Westen "Die Fächerstadt liegt zwar am Rhein, ist aber nicht gerade dafür bekannt, eine Stadt zu sein, in der das Leben sich am Wasser abspielt." sagte die Beschreibung der Tour. Sie begann am Entenfang und endete im Schlossgarten.
Am 24.04. war das Wetter schön und ich entschloss mich, die Tour zu machen.
Die erste Etappe von Ettlingen bis zum Entenfang war der gewohnte Weg, den ich früher oft zur Arbeit gefahren bin. Ab dort begann der beschriebene Radweg "Flüsse, Seen und Industrieromantik". Die Alb ist an einigen Stellen renaturiert worden und der Radweg etwas besser ausgebaut worden. Grosse, alte Pappeln säumten den Weg, vorbei an der Maria-Hilf Kapelle konnte man ruhig und entspannt entlang der Alb radeln.
Am Thomaswehr wurde Wasser zur Appenmühle abgeleitet, schon seit 1925 wurde das Wasser zur Stromerzeugung genutzt. In einem der Gebäude befand sich ein persisches Restaurant, das aber an diesem Montag geschlossen hatte.
KA-Westen KA-Westen Der Albuferweg endete am Sonnenbad, dem Karlsruher Freibad, dass von Mitte Februar bis zum 1. Advent geöffnet hatte.
Hier musste man über eine Fußgängerbrücke die vielbefahrene Rheinhafenstrasse überqueren. Dann folgte man der Radwegebeschilderung nach Maxau. Irgendwo habe ich ein Schild übersehen, ich fuhr über die Wikingerstrasse bis zum Depot des KVV, dort musste ich umdrehen und zurück fahren. Über die Nordbeckenstrasse und "Im Schlehert" ging es in Richtung Hafeneinfahrt und zum Rhein. Rechts lag der Karlsruher Energieberg, eine ehemalige Mülldeponie.
Bald erreichte ich das mächtige Sperrwerk, dass den Rheinhafen vor Hochwasser schützte und dahinter sah ich das grosse Dampfkraftwerk.
"Industrieromantik" ist wohl etwas übertrieben, wie in jedem Hafengebiet war hier die etwas grobere Industrie angesiedelt, die auf die Versorgung durch Schiffe setzte. (Schrott, Kohle für das Kraftwerk, Container, Kies).
KA-Westen KA-Westen Erstaunlich war, dass direkt neben der Hafeneinfahrt ein Naturschutzgebiet war, der Knielinger See. Zwischen dem See und dem Rhein war das Tulladenkmal und das Hofgut Maxau, das Restaurant und der Hofladen hatten geschlossen, es war nur am Wochenende geöffnet. Am Rhein gab es einige schöne Sitzbänke von denen man die Schiffe beobachten konnte. Nach der Rheinbrücke bog der Radweg nach rechts ab, man musste sich jetzt in Richtung Philippsburg halten, ich fuhr ein Stück entlang der B10 bis ich an einer Abzweigung nach links abbog um wieder an der Alb entlang zu fahren.
Auf einem schönen, ruhigen Weg fuhr ich man mitten durch die Miro-Raffinerie, links und rechts konnte man die Tanks sehen, 4 Kilometer ging es geradeaus bis zum Naturschutzgebiet "Kleiner Bodensee". Dort mündete der Hauptsammelkanal in die Alb. Auf dem Radweg fuhr ich jetzt in Richtung Neureut, durch den Ortsteil in den Hardwald und über die Knielinger Allee zum Ziel, dem Karlsruher Schlosspark.

KA-Westen KA-Westen

Dort legte ich eine längere Pause ein bevor ich durch die baustellengeplagte Innenstadt nach Ettlingen zurück fuhr.

Mit An- und Abfahrt von und nach Ettlingen kamen rund 50 Kilometer zusammen.

Auf den Spuren von Karl von Drais 16.05.2017

Ein anderer Radtourentipp der BNN war eine Tour durch Karlsruhe auf den Spuren von Karl von Drais.
Er gilt als der Erfinder des Ur-Fahrrads, eine Laufmaschine mit Lenkung. Im Jahr 1815 brach der Vulkan Tambora in Indonesien aus der mit seinem Staub die Atmosphäre verdunkelte und dafür sorgte, dass 1816 als das "Jahr ohne Sommer" in die Geschichte einging. Große Hungersnöte waren die Folge, weil die Ernten ausblieben. Im Jahre 1817 gab es ein großes Pferdesterben wegen Futtermittelknappheit, somit auch keine Reittiere. Karl von Drais erfand das Laufrad.
Bei einer Testfahrt von Mannheim zu einer Relaisstation bei Schwetzingen erreichte er immerhin eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 15 km/h. Drais-Statue KA-Schloss-Riesenräder
200 Jahre Ur-Fahrrad, das wurde in Karlsruhe und in Mannheim gross gefeiert, es gab Sonderausstellungen im Mannheimer Technoseum und in Karlsruhe vor dem Schloss wurden zwei Riesenräder aufgebaut.
Die Fahrradtour berührte markante Punkte in Drais Leben, sein Geburtshaus, sein Wohnhaus und die Drais-Statue in der Beiertheimer Allee sowie sein Grab auf dem Hauptfriedhof. Und natürlich durfte auch das Schloss mit den beiden Riesenrädern nicht fehlen.

Weibertreu 15.07.2017

Laura wohnte seit 4 Jahren in Weinsberg. Von ihrem Küchenfenster aus konnte man den Weinberg mit der Ruine Weibertreu auf der Spitze sehen. Der Aufstieg sah sehr steil aus, aber am 15.07. waren wir zu Besuch bei Laura (Rita wollte bei Laura ein Frauenkaffeekränzchen veranstalten) und nach Kaffee und Kuchen (ich war ja nur geduldeter Gast) machte ich mich auf den Weg um die Burgruine zu erkunden. Hinter der Kirche war ein Parkplatz von dem aus man den Berg erklimmen konnte.
Weibertreu Weibertreu
Der Weg war steil, führte aber sehr schön durch die Weinberge, man hatte eine schöne Aussicht über Weinsberg und die Hügel rund um Heilbronn. Die Besichtigung der Burg kostete 2 EUR, die dem Erhalt der Anlage zu Gute kamen.
Wie kam die Burg zu ihrem Namen?
1140 war die Burg im Besitz der Welfen, die sich mit den Staufern um die Macht im Reich stritten. König Konrad III., in seinem Gefolge sein Bruder Friedrich II. von Schwaben und mehrere Bischöfe und Fürsten (u. a. Markgraf Hermann III. von Baden), belagerte die Burg mehrere Wochen lang und schlug am 21. Dezember 1140 in offener Feldschlacht den zum Entsatz heraneilenden Welf VI. Kurz darauf ergab sich die Burg. Dem Bericht der Kölner Königschronik zufolge versprach der König den Frauen auf der Burg Weinsberg freien Abzug und gab die Erlaubnis, "dass jede forttragen dürfte, was sie auf ihren Schultern vermöchte". Auf die Männer wartete der Tod. Die Frauen nahmen den König beim Wort und trugen ihre Männer auf dem Rücken herab, denen sie so das Leben retteten, da der König sein Wort hielt. Die Frauen wurden als Treue Weiber von Weinsberg bekannt, und die Burg kam aufgrund dieser Begebenheit zu ihrem Namen Weibertreu (vermutlich im Lauf des 18. Jahrhunderts).
Die Burg bot schöne Motive für Hochzeitsbilder und während meines Besuchs war eine Hochzeitsgesellschaft unterwegs um dort mit professioneller Hilfe Bilder des schönsten Tags im Leben zu machen.
Zum Abstieg benutzte ich den offiziellen, sehr steilen Weg durch die Burgtore und fand es erstaunlich, dass die Frauen mit den Männern auf dem Rücken diesen Weg hinuntergelaufen sind.

Bruchsal 22.08.2017

Es war ein schöner Tag, nicht zu heiß für eine Fahrradtour. Nach dem Mittagessen machte ich mich auf den Weg nach Untergrombach Michaelsberg Schloss Bruchsal Bruchsal. Ich folgte dem Paneuroparadweg in Richtung Norden. Von Ettlingen aus führte er bis kurz vor Grötzingen entlang der B3, aber dann konnte man auf Wald- und Wirtschaftswegen abseits der grossen Strassen fahren. Teilweise war der Weg naturbelassen, teilweise mit Knochensteinen gepflaster, in diesem Bereich war der Weg ziemlich holperig, teilweise schön geteert. An der Bahnlinie zwischen Karlsruhe und Bruchsal wurde gearbeitet, es fuhren keine Züge, ein Schienenersatzverkehr mit Bussen war eingerichtet worden.
Es ging am Baggersee Weingarten vorbei und nach einigen Irrungen und Verwirrungen (der Radweg war manchmal etwas irreführend ausgeschildert) erreichte ich Untergrombach und konnte auf dem Berg die Michaelskapelle sehen. Da der Paneuroparadweg ein international bekannter Radweg ist, begegneten mir auch einige Tourenradler.
Wegen der Bauarbeiten an der Bahnlinie wurde der Radweg in die Innenstadt umgeleitet und in diesem Fall war die Umleitung vorbildlich ausgeschildert. Ich erreichte den Bahnhof und fuhr weiter zum Schloss meinem eigentlichen Ziel.
Schloss Bruchsal Schloss Bruchsal Ich bewunderte zunächst die Fassade von außen, mit den Gemälden in 3-D Technik. Es faszinierte mich, wie man mit der Darstellung von Licht und Schatten diesen Effekt erzielen konnte.
Da die Zeit doch schon etwas fortgeschritten war, konnte ich leider keine Besichtigung machen, in der Zeitung waren mehrere Berichte, dass man neue Räumlichkeiten eingerichtet hat, die jetzt der Öffentlichkeit zugänglich sind. Auch das Musikautomatenmuseum ist ein Besuch wert. Wenn die Bahnlinie wieder in Betrieb ist, werde ich noch einmal mit der Bahn kommen und die Museen besuchen.
Zurück wollte ich nicht mit dem Fahrrad, sondern mit der Bahn fahren. Der Schienenersatzverkehr nimmt keine Fahrräder mit, als Ausweg blieb eine Fahrt über Graben-Neudorf nach Karlsruhe. Bis zur Abfahrt hatte ich noch eine halbe Stunde Zeit, so dass ich mir noch einen Eiskaffee in der Innenstadt gönnen konnte.
Der Zug war eine rote S-Bahn und wurde von einigen Radlern benutzt, aber durch die Länge des Zuges war alles gut verteilt.